Der Löwenmajestät Tagebuch

King Tonga bittet zur Audienz


Mini-Me, Martin und ich
King Tonga
[info]king_tonga
Ich habe mich zu entschuldigen. Ich hatte in meinem letzten Eintrag Fotos von meinem kleinen Prinzen versprochen und nun liefere ich mit wochenlanger Verspätung. Aber was soll ich machen? Er ist ja mein Erstgeborener und dementsprechend bin ich zwar ein begeisterter, aber noch sehr ungeübter Vater, der seine Zeit vorwiegend damit verbringt, das kleine Wunder, das er da in die Welt gesetzt hat, zu betrachten und darüber zu staunen, wie großartig, wundervoll, hinreißend schön, unglaublich klug, mir ähnlich und verfressen es ausgefallen ist.


Vor allem mit Letzerem hält er nicht nur seine Frau Mama auf Trab, sondern obendrauf unseren Menschen. Zu Martins Look gehört neuerdings neben der unvermeidlichen Sonnenbrille ein Babyfläschchen mit der Lacey-Spezialmilch für kleine Löwen, bewährt schon bei meines Prinzen Nuckel-Vorgängern Junior, Prinz und Frosty - und dass die Milch-Mischung gut anschlägt, kann man an denen ja sehen. Meinem Kleinen schmeckt sie offenkundig auch.



(c)Sarah Schmidt

Kaum sieht er die Flasche, schon stürzt er sich auf Martin - und auf meine Einwände, dass ein königlicher Löwe doch etwas Manieren zeigen, sich nicht an seines Menschen Händen festkrallen (und ja, der junge Herr hat zwar kleine und weiche, aber dennoch scharfe Krallen)und vor allem nicht lautstark schmatzen sollte, hört er dann nicht mehr. Die Lektion muss ich ihm wohl noch einmal erteilen, wenn er dereinst von der Flasche zur Festkost befördert wird - wobei ich davon ausgehe, dass ich dann in ihm einen Steak-Mitesser bekomme. Martin behauptet nämlich, dass der Knabe sich schon jetzt als wahrer Tonga-Sohn zeige - in dem, dass er verwöhnt, anspruchsvoll und sehr von sich überzeugt ist. Aber so gehört sich das doch für einen kleinen Prinzen, nicht? Ich meine, er ist weiß, er ist mein Sohn, er ist etwas Besonderes - so soll es doch sein, oder?

Mutter Princess hat allerdings Momente, in denen sie die charakterliche Ähnlichkeit zwischen Söhnchen und mir etwas zu viel findet - und auch da geht's um seine Verfressenheit. Princess ist ja nun eine sehr eitle Dame und achtet immer auf ihre Figur. Und bei unserem Kleinen kann davon keine Rede sein. Vor allem nach den Flaschenmahlzeiten, wenn er sich auf Martins Schoss seinen Verehrern präsentiert, zeigt er Bauch wie ein Politiker vor der Sommerpause.



(c) Sarah Schmidt

Allerdings hat er mehr Haare auf dem Kopf als die meisten dieser Herren - und ich finde seinen kleinen Lockenschopf ganz zauberhaft. Dazu freut es mich immer, dass er auch so hübsche rosa Pfoten hat wie ich. Er ist halt in jeder Beziehung ein Mini-Me.


Sie lachen, weil ich so ausführlich über Fläschchen rede? Ja, ich staune auch über mich. Vom eingefleischten Junggesellen zum hingerissenen Vater - und das alles wegen so eines kleinen Bengels. Und weil ich schon beim Thema bin, möchte ich hier noch was erwähnen: Obwohl ich wusste, dass Princess ein gescheites Mädchen ist und obwohl mir klar war, dass sie Martin vertraut, staune ich doch immer wieder, wie weit dieses Vertrauen reicht. Vom ersten Tag an hatte sie kein Problem damit, Martin an unseren Kleinen heran zu lassen. Da gab's kein Fauchen und keine Tatzenhiebe (und glauben Sie mir als dem Erzeuger des kleinen Prinzen, der nach der Produktion heftig Prügel bezogen hat: Princess weiß sehr wohl, wie sie ihre Tatzen einzusetzen hat! Ich denke heute noch an den Kratzer quer durch mein Gesicht, den sie mir verpasst hat), sondern nur Gelassenheit und Ruhe. Sie wusste, dass Martin unserem Baby nichts böses will, sondern ihr im Gegenteil bei der Aufzucht helfen wird.

Er wird damit die nächsten Wochen schwer beschäftigt sein. Aber das macht ihm ja Freude. Er strahlt immer, wenn er mit dem Kleinen spielen und schmusen kann. Und falls Sie uns besuchen wollen: Wir sind in Hamburg und bleiben auch noch eine ganze Weile hier. Mein Söhnchen ist zwar noch nicht geimpft und darf daher nicht zu nahen Kontakt mit Fremden haben, aber wenn Sie brav Abstand halten, dürfen Sie gerne bei der Fütterung des kleinen Raubtiers zugucken. Wir freuen uns über jeden Besuch!


PS: Herzlichen Dank an Sarah Schmidt für die tollen Bilder vom kleinen Prinzen!

Mein kleiner Prinz
King Tonga
[info]king_tonga
Er hat blaue Augen. Zwei davon. Eines links und eines rechts von der Nase – und diese Nase, also diese Nase ist die entzückendste rosa Nase, die man sich vorstellen kann und wenn er trinkt, dann kräuselt er sie und dann sieht sie so süß aus, dass ich ihn immer anlachen muss und es mir vollkommen egal ist, wenn ich dabei albern und gar nicht majestätisch aussehe. Außerdem haben mich bisher sowieso nur Princess und Martin mit ihm gesehen – und wer, wenn nicht meine Princess und mein Martin hätte volles Verständnis für meine Begeisterung? Abgesehen davon, dass Martin damals auch einige Zentimeter über dem Boden geschwebt ist, als es ihm das erste Mal passiert ist, ist er jetzt mit mir darüber einig: Er hat die süßeste Nase der Welt. Und Pranken zum Verlieben und wenn er quäkt, müsste eigentlich die Welt stehen bleiben und auf ihn hören. Martin jedenfalls hört auf ihn. Er kann sich gerade kaum von uns losreißen und darin verstehe ich ihn. Ich komme nämlich schon kaum mehr zum Schlafen, weil ich so mit Gucken beschäftigt bin. Und obwohl es jetzt schon an die zwei Wochen sind, dass ich was zum Gucken habe: So ganz kann ich es immer noch nicht begreifen, dass er da ist.

Sie finden, ich sollte endlich Klartext reden? Sie haben recht. In klaren Worten: Ich bin Vater geworden. In Kiel hat meine geliebte Princess mir einen Sohn geboren. Dabei hat sich die Gute ziemlich plagen müssen. Junior war nämlich schon bei seiner Geburt fast ein ganzes Kilo schwer und das ist eine ganze Menge für einen Nachwuchslöwen. Dazu fand Geburtshelfer Martin, dass unser Nachwuchs – ja, mit ihm teile ich gerne, denn er hat ja genauso intensiv von ihm geträumt wie ich – aussehe wie ein kleiner Eisbär: Kuschelig weiß von Kopf bis zu Fuß. Er hat sich dann auch gleich recht lautstark zu Wort gemeldet – die Stimme hat er eindeutig von mir und so werden wir in Zukunft bestimmt des öfteren Duett singen. Doch davor muss mein Junior noch ganz viel wachsen – und was das angeht, macht der kleine Gierschlund seiner Mutter das Leben nicht eben leicht. Auf einen Knaben mit so herzhaftem Appetit war sie nicht vorbereitet, weswegen Martin jetzt schon mit Zusatzfläschchen aushelfen muss. Aber das macht er mit Freuden. Alles für unseren kleinen Prinzen, der nun schon die Augen offen hat, mit seinen dicken Pfoten nach allem fasst, durchs Stroh im Familienwagen stromert und die Welt sehr interessant findet.

Mama Princess, Martin und ich werden sie ihm zeigen. Wir werden ihm beibringen, wie man sich als Lacey Löwe benehmen muss; wir werden auf ihn aufpassen, ihn beschützen und ihn zu einem großen, starken Löwenmann heranziehen. Und Fotos von ihm gibt's auch bald! Versprochen!

Vom Wetter und vom Südwind
King Tonga
[info]king_tonga
Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich schon wieder mal so schweigsam war. Aber ich denke, ich habe eine gute Entschuldigung dafür: Die letzten Wochen waren richtig aufregend. Wir sind nämlich auf Küstentour - und so sehr wir es mögen, den Seewind in der Nase zu haben, fröhliche Urlauber vor unseren Gehegen und in der Vorstellung zu sehen und frischen Fisch zu bekommen (wobei das mehr unserer Menschen als der Tiere Vergnügen ist. Unserem lautstarken Seelöwen-Quartett ist es völlig wurst, ob ihr Hering aus der Nord-, der Ost- oder sonst einer See kommt. Er wird eh tiefgefroren geliefert und für sie zählt nur, ob sie genug davon kriegen. Da bin ich schon etwas anspruchsvoller), so hat uns die See in den letzten Wochen bezüglich Wetter nicht eben verwöhnt.

Nehmen wir zum Beispiel Husum. Da hatten wir Regen und gar nicht sommerliche Temperaturen um die 16°C . Um es ganz deutlich zu sagen: Ich hab's definitiv nicht mit Hitze, aber bei 16°C friere ich mir fast die königliche Kehrseite ab, weswegen ich doch sehr froh war, dass mein Mensch mir im Wagen ein nettes Strohbettchen gebaut und darüber die Rotlichtlampe eingeschaltet hat.

Richtig dicke kam's aber in Neumünster: Da war's nicht nur so kalt, dass ich gar nicht mehr unter meiner Lampe raus wollte, sondern wir hatten Sturm - und zwar richtig! In einer Nacht hat's mit 11 Windstärken geblasen. Ich glaube, in der Nacht war mein Martin, der ja sonst das Circusleben liebt und gegen nichts in der Welt eintauschen würde, ein bisschen neidisch auf die Menschen, die um uns herum in festen Häusern leben und die nur ein paar Klappläden zumachen müssen, um "sturmgesichert" zu sein. Im Circus bedeutet Sturm nämlich, dass die Zelte gesichert werden müssen.
Damit mich niemand mißversteht: "Mein" Circus Krone ist bekanntlich mit dem größten Circuszelt Europas unterwegs. 5000 Menschen finden darin Platz, unter den vier 40 m hohen Zentralmasten hängt jede Menge Technik für Licht und Sound und was die "Sicherheit" angeht, so wird unser Chapiteau (so nennt man ein Circuszelt bei Circusleuten) ja fast jede Woche - oder zumindest immer dann, wenn wir in einer neuen Stadt aufbauen - baupolizeilich geprüft und abgenommen. Und mehr noch: Wir haben eine Mannschaft von erfahrenen Profis, die dafür sorgt, dass nicht nur unser Chapiteau, sondern auch die Stallzelte der Pferde, Elefanten und Exoten selbst bei Sturm sicher stehen.
Dennoch können sich die starken Jungs vom Zeltbau in Sturmnächten nicht einfach in ihren Wägen aufs Ohr legen und darauf hoffen, dass am nächsten Morgen noch alles in Ordnung ist. Eine flatternde Plane, ein winziger Riß in einer Zeltbahn, ein lockerer Anker würde dem Wind reichen, anzugreifen - und wenn er ein Zelt erst einmal in seine Klauen bekommt, wird es schwierig. Bei Windstärke 11 ist bei uns jeder, der zupacken kann, gefragt. Da sind unsere Männer durch Regen und Sturm die ganze Zeit unterwegs, immer bereit, an einer Stelle, an der es heikel werden könnte, zusätzliche Anker einzuschlagen und neue Sicherungen anzubringen. Und selbst ich liege dann nicht auf der faulen Löwenhaut, sondern leiste zumindest dadurch, dass ich hin und wieder gegen den Sturm anröhre, moralischen Beistand.

Der Morgen danach ist dann immer etwas Besonderes. Alle Zelte stehen, alle Tiere und Menschen sind gut durch die Nacht gekommen, wir bereiten uns auf die nächste Vorstellung vor - und sind dabei alle stolz darauf, dass wir es wieder einmal geschafft haben.

Sturm war aber nicht unsere einzige Sorge in diesen Tagen. Vorgestern war mein Tonga-Mobil mal wieder als "Krankentransporter" im Ferneinsatz: Jane musste nach Augsburg in die Klinik. Sie ist dieses Jahr 20 geworden - ein wahrhaft biblisches Alter für eine Löwin. Und so fit sie eigentlich ist: Ihre Augen sind nicht mehr die allerbesten. Damit sie nicht vollends blind wird, musste unsere Haus- und Hoftierärztin in der Klinik in Augsburg dran. Also hat Martin Jane morgens in mein Tonga-Mobil gepackt und weil er selbst nicht so lange weg konnte, hat unser Lieblingskutscher Wolfgang sie nach Augsburg gefahren, von uns allen natürlich im Geiste begleitet. Dort hat sich dann herausgestellt, dass Jane doch nicht operiert werden muss und nun ist sie schon wieder zurück bei uns, freudigst begrüßt von ihrer Busenfreundin Laura, die sie gleich von oben nach unten abgeschleckt hat (sie roch so komisch nach Klinik, also musste Laura wieder den "Familienmief" auf ihr ausbreiten). Und Martin hat ihr 'ne Extraportion Leber ausgegeben - wäre nicht mein Fall, aber Jane liebt Leber und hat sie mit Gusto gefressen.

Jetzt ist die Welt der Lacey lions wieder in Ordnung. Das Wetter könnte besser sein: Wir haben gerade wieder nur 16°C, aber wenigstens wird heute nacht alles schlafen können, denn hier in Kiel gibt's nur leichten Südwind. Wir freuen uns aber auf eine hoffentlich knackvolle Vorstellung und auf ganz viele Besucher!

Regenwetter und Artenwandel
King Tonga
[info]king_tonga
Wenn ich die Nase recke, rieche ich Wasser. Wenn ich die Pfote ausstrecke, spüre ich Wasser. Wenn ich die Augen schließe, höre ich Wasser und wenn es hier so weiter geht, werde ich mir bald einbilden, ein Seelöwe zu sein. Wir sind nämlich an der See – in Husum, um ganz genau zu sein. Und leider macht Husum seinem Beinamen „die graue Stadt am Meer“ in diesen Tagen alle Ehre. Der Himmel über der Stadt ist seit unserer Ankunft (wobei da sicher kein kausaler Zusammenhang besteht) grau und verhangen, es regnet immer wieder aus Kübeln und stürmt so, dass unsere Menschen schon gefragt werden, ob das Zelt so viel Wind wohl aushält. Doch diesbezüglich machen wir uns keine Sorgen. Wir wissen, wie zuverlässig unser Chapiteau ist.

Und nein, Sie müssen sich auch wegen der eher kühlen Temperaturen keine Sorgen um mich machen. Ich trage bekanntlich Pelz und so dick wie der meine ist, macht es ihm noch nicht einmal etwas aus, wenn er einmal einen Regenguss abbekommt. Außerdem könnte ich mich ja, wenn mir kalt wäre, jederzeit in meinen Schlafwagen aufs Strohbett unter die Wärmelampe verziehen. Stattdessen aber liege ich auch im Regen gerne draußen und gucke mir unseren „Wetterprofiteur“ Tsavo an. Herr Nashorn findet es nämlich großartig, dass sich über den ganzen Circusplatz inklusive seines Geheges Pfützen in mittlerer Teichgröße verteilen. Er nimmt genüsslich grunzend Schlammbäder – angeblich sei das ja gut für die Nashornhaut. Martins Begeisterung über Tsavos Beauty-Kur hält sich allerdings in Grenzen. Abgesehen davon, dass er nicht weiß, wo er die Tsavo zustehenden Streicheleinheiten an dem total verschlammten Tier loswerden soll (ich hätte da eine Idee: Er soll sie doch einfach bei mir abliefern!), muss er ihn immer vor jedem Auftritt von seiner Panate befreien. Da bin ich deutlich pflegeleichter: Wenn ich mir auf dem feuchten Boden Dreckspfoten hole, wische ich die erst Mal am Stroh ab und putze sie dann sorgfältig – schließlich weiß ich, was ich mir und meiner Majestät schuldig bin. Martin kann sich also darauf beschränken, mir die Mähne zu bürsten.

Ansonsten muss ich übrigens etwas aufklären: Es ist wahr, dass normale Löwen – wie zum Beispiel Kasanga und Junior – zum Brüllen aufstehen. Aber es ist ebenso wahr, dass ich das nicht immer tue. Meine Stimme ist mächtig genug, dass sie auch im Liegen funktioniert. Und wie Sie als meine treuen Fans hoffentlich schon wissen: Ich bin ein ausgesprochen effizienter Löwe. Ich halte nichts davon, sich unnötig anzustrengen. Darum habe ich die Liege-Brüll-Technik entwickelt – und meistere sie inzwischen so gut, dass ich sogar unsere Seelöwen übertönen kann, ohne mich deswegen erheben zu müssen.

Doch das ändert alles nix daran, dass ich mich jetzt auf die Show vorbereiten muss. Ich bin bekanntlich ein hochprofessioneller Löwe, folglich lege ich Wert darauf, mich immer bestens zu präsentieren. Dazu muss ich ausgeruht sein, weswegen ich jetzt gleich in mein Tonga-Mobil einsteige und noch ein wenig meditiere. Aber wie wär’s, wenn Sie mich ab morgen in Bad Segeberg besuchen würden? Sie können dazu ein wenig gutes Wetter mitbringen!

Von Löwenherzen und geflügelten Löwen
King Tonga
[info]king_tonga
Manchmal könnte ich meinen Menschen für einen echten Banausen ohne jegliches Interesse an Kunst und Kultur halten. Gestern nachmittag zum Beispiel kam er zum Mähnenfrisieren, als ich gerade über die Rolle des Löwen in Geschichte und Kunst nachgedacht habe. Und dabei entspann sich folgendes Zwiegespräch:

Tonga (nachdenklich): Du, Martin, wärest du gerne Doge gewesen?
Martin (bürstend): Was, bitte? Dogge? Nö, danke, ich fühle mich als komischer Löwe sehr wohl.
Tonga: Martin, ich habe Doge, nicht Dogge gesagt! Doge wie in mittelalterlicher Herrscher über Venedig.
Martin (setzt die Bürste ab, guckt mich besorgt an): Tonga, was hast du gefressen?
Tonga: Zu wenig! Du warst heute morgen sehr sparsam mit den Hühnchen. Du hättest ruhig noch ein Steak drauflegen können.
Martin (bürstet mit einem Seufzen weiter): Tonga, du denkst wirklich mit dem Magen!
Tonga: (dreht den Kopf): Könntest du bitte noch mal da unten, links? Da hat sich was verknäuelt. Außerdem denke ich, wie ich gerade bewiesen habe, nicht nur ans Essen, sondern an Geschichte.
Martin: Venezianische Geschichte - und du bist sicher, du hast nicht irgendwas falsches gefressen? Ich meine, wie kommst du darauf?
Tonga: Venedigs Wappentier ist der geflügelte Löwe des Heiligen Marcus.



Quelle: Wikipedia
San Marco in Venedig, der Marcus-Löwe


Martin: Ein geflügelter Löwe? Um Himmels Willen - mit sowas hat man sicher noch mehr Papierkram als mit dir!
Tonga: Mann, bist du mal wieder prosaisch! Ich finde die Rolle, die wir Löwen in der Geschichte gespielt haben, sehr interessant. Wir waren Sinnbild für Mut und Stärke.
Martin (bürstet endlich weiter): Weiß ich doch. Da war zum Beispiel der englische König Richard Löwenherz, der ein sehr tapferer Kämpfer war - daher der Beiname 'Löwenherz'.
Tonga: Richtig. Und deine Königin hat immer noch Löwen im Wappen.



Quelle: Wikipedia

Das Wappen der englischen Königin Elizabeth II.


Martin: Wem erzählst du das? Das weiß ich doch alles.
Tonga: Aber hast du auch gewusst, dass es bei den Deutschen auch einen ganz wichtigen König gab, der 'Heinrich der Löwe' genannt wurde? Und dass der bayrische Staat auch den Löwen im Wappen hat?
Martin (bürstet meine Lieblingsstelle an der rechten Schulter): Tonga, worauf willst du eigentlich raus?
Tonga: (schnurrt vor Behagen): Darauf, dass man Löwen schon aufgrund ihrer Rolle in Geschichte, Kunst und Heraldik mit besonderem Respekt begegnen sollte.
Martin: Und der drückt sich wie aus?
Tonga: Na, ganz einfach: In dem du mir jetzt endlich das große, dicke Steak holst, das du heute morgen vergessen hast!

Cherchez la femme
King Tonga
[info]king_tonga
Eigentlich will ich ja nicht an der Schöpfung rumkritteln. Immerhin bin ich ein gutes Beispiel dafür, wie annähernd perfekt sie arbeitet. Andererseits: Frauen - sowohl die vier- wie auch die zweibeinigen Exemplare - sind ebenfalls Produkte der Schöpfung. Und das könnte einen manchmal schon ins Zweifeln darüber bringen, wie durchdacht ihre Planung ist.

Verstehen Sie mich richtig: Ich habe nichts gegen zwei- und vierbeinige Mädchen. Ganz im Gegenteil. Ich liebe Diamond und Princess*, ich verehre Jana und ich finde es großartig, dass ich weibliche Fans** habe, die meinetwegen quer durch Deutschland reisen. Aber manchmal ... also, es gibt so Tage ... wie soll ich es sagen? Am besten, ich erzähle die ganze Geschichte, ja? Und Sie können sich ruhig die blaue Bank neben mein Gehege ziehen und sich setzen. Ist gemütlicher so, nicht?


Der Behauptung, dass ich immer nur schlafe, muss energisch widersprochen werden: Manchmal - und jetzt ist so ein Moment - bin ich hellwach!
(c)Thomas Sommer

Also, es hat heute morgen damit angefangen, dass mein Mensch mal wieder anderweitig beschäftigt und nicht auf dem Plat zwar. Sie wissen, ich goutiere das generell nicht. aber was das angeht, hört er ja nicht auf mich. Dafür war aber der Krone-Zoo offen und wir hatten reichlich Besucher, darunter auch eine eigentlich freundlich aussehende, ältere Dame, die offenkundig ihre beiden Enkelinnen ausführte. Natürlich stand das Trio erstmal vor den Seelöwen - diese aufdringlichen Tiere, die den ganzen Tag rumschreien, haben ja dauernd fast eben so viel Besuch wie ich (nein, ich bin nicht eifersüchtig. Überhaupt nicht. Ich finde nur, dass ich viel schöner bin als die. Ich habe nämlich eine Mähne. Und blaue Augen. Und rosa Pfoten. Und ich bin nicht glitschig und bettle auch nicht dauernd nach Fisch. So). Aber danach marschierten sie in meine Richtung - und was musste ich da hören? Oma nahm die Kinder bei der Hand und verkündete: "Guck, da sind die Tiger!"

ARGL! Ich habe ja nix gegen Tiger, aber verflixt noch mal, steht denn an meinem Gehege nicht groß genug, dass ich ein Löwe bin? Und als solcher fände ich es wirklich unter meiner Würde, die ganze Zeit in einem gestreiften Pyjama zu stecken! Tiger mögen die stehen, aber ich finde, dass unsereins in elegantem Goldbraun oder zartem Creme wie meine schöne Diamond viel besser aussieht. Und wer als königlicher Löwe richtig auffallen will, trägt weiß und zeigt als Markenzeichen die Spitze einer rosa Zunge. Ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder? Und wahrscheinlich verstehen Sie auch, dass es mich ärgert, wenn ich als "Tiger" bezeichnet werde.

Was mich aber fast noch mehr gemopst hat: Keine drei Meter von der Dame entfernt, die mich eben als "Tiger" bezeichnet hatte, war Jana unterwegs.


Jana und eines ihrer arabischen Schmusetiere
(c)Maresa Mader


Jana - die Dame, mit der ich Martins Herz teile; Jana, die ich in Kinderzeiten so oft beschmust habe; Jana, über deren Rehbraten ich wahre Oden geschrieben habe; Jana, die Schöne, die Graziöse, die Elegante; Jana, die - so sorry, Martin, aber es muss mal gesagt werden - aber am Ende auch nur eine Frau (und folglich bisweilen ein Biest) ist, was sie heute bewiesen hat. Anstatt nämlich unsere Besucherin darüber aufzuklären, dass ich ein Löwe bin, schwieg sie. Und mehr noch: Sie hat mich angegrinst! Und dass sie dabei nicht auch noch die Zunge herausgestreckt und "Bätsch, Tonga!" gerufen hat, war noch alles.

Ich weiß natürlich, was dahinter steckt. Es war ihre kleine Rache dafür, dass Diamond und ich vorgestern mal wieder eines ihrer behuften Schmusetiere beim Vorbeimarsch hungrig angeguckt habe. Es trug mir prompt ein "Tonga, denk nicht einmal dran!" und einen sehr strengen Blick zu - und heute eben ihre Mißachtung in Sachen Verteidigung meiner Löwenwürde.

Aber das ist unfair! Sie versteht meinen Blick auf ihre Schätzchen aus dem Pferdestall nämlich ganz falsch. Ich habe gar nichts gegen die, im Gegenteil! Ich finde sie im Gegenteil sehr appetitlich - und das sollte Jana doch eigentlich als Kompliment sehen! Ich bin nämlich ein ausgesprochen wählerischer Löwe, der bestimmt nicht alles, was da an seinem Gehege vorbei marschiert, fressen würde. Die Zebras zum Beispiel - ne, wirklich nicht. Abgesehen davon, dass ich - siehe oben - nicht so sehr auf Streifen stehe, sehen die zäh aus. Und die Kamele könnte man mir auch schenken - diese Höcker sehen ausgesprochen fettig aus und ich mag's nun mal kein Fett. Die Pferde dagegen sind perfekt: Muskulös, fit, seidiges Fell - was will man mehr? Und mir ist natürlich klar, dass sie es Janas Training zu verdanken haben, dass sie so gut in Form sind, ergo drückt mein hungriger Blick Anerkennung für ihre Arbeit aus. Aber sie ist eine Frau - und Frauen verstehen einen nicht immer richtig.

Außerdem sind sie manchmal biestig, wie ich feststellen musste, nachdem Jana verschwunden war. Diamond hat nämlich mal wieder so getan, als ob sie mit der Sache überhaupt nichts zu tun hätte - dabei hat sie sich sogar die Schnauze geleckt als sie das Pferd gesehen hat! Und Princess feixte gar und hat nachher überlegt, wie ich wohl mit Streifen aussehen würde.

Frauen! Man(n)wird ihnen nur Herr, wenn man(n) zusammenhält - und wie, bitte, soll ich das mit dem Zusammenhalt machen, wenn Martin dauernd nicht da ist und mich unter so vielen Frauen alleine lässt?

Ich hab's nicht leicht - und darum ziehe ich mich jetzt zu einer längeren Denkpause zurück.

(c) Thomas Sommer

Würde es Ihnen etwas ausmachen, mit der Bank leicht nach links zu rücken, damit sie mir Schatten spendet? Danke! Und bis bald mal wieder - wenn ich ausgeschlafen habe!

(c)Thomas Sommer


* in alphabetischer Reihenfolge, damit sie sich nicht anzicken müssen!
** Hallo, Claudia, Karin, Christina, Michele, Katja I und II und III und alle anderen Katjas, die mich toll finden; hallo, Eva, hallo unbekannte Schöne, die Du Dich leider noch nicht bei mir vorgestellt hast!

(Sich)Regen bringt Segen
King Tonga
[info]king_tonga
Platsch - eben habe ich einen Tropfen auf die Nase bekommen. Aber das macht nichts, ganz im Gegenteil: Ich mag Sommerregen und den heutigen finde ich richtig nett. In Bietigheim-Bissingen unter dem großen Eisenbahnviadukt haben die Familie und ich am Montag richtig geschwitzt (und uns um unseren Menschen Sorgen gemacht. Der kriegt doch so leicht Sonnenbrand!), aber heute haben wir in Landau in der Pfalz das ideale Löwenwetter: 14° C, leichter Nordwind und ein bisschen Getröpfel. Es ist gerade genug, dass die Luft wie frisch gewaschen riecht, aber nicht so viel, dass man sich ins überdachte Schlafzimmer verziehen müsste. Und so liege ich nun in meinem Gehege und philosophiere vor mich hin (mein Mensch behauptet natürlich, ich würde pennen. Aber das ist gar nicht wahr! Ich schließe nur manchmal die Augen, um sie auszuruhen und besser nachdenken zu können).



(c )Claudia May, Bietigheim Mai 2011
Die letzten Wochen waren wir in Baden-Württemberg unterwegs - und das war lustig. Die Leute da sprechen nämlich putzig und als weitgereister Löwe, der obendrauf eine aus Schwaben stammende Sekretärin hat, verstehe ich natürlich, was sie meinen, wenn sie vor meinem Gehege stehen und sagen: "Guck a mal, was der für a netts Bäuchle hat!" Wie Sie an dem Foto aus Bietigheim-Bissingen sehen können, bin ich ja momentan echt gut in Form. Man könnte schon fast sagen, dass ich das Löwenäquivalent einer Heldenbrust und eines Six Packs zu bieten habe. Im Widerspruch zur landläufigen Meinung über mich liege ich momentan nämlich wirklich nicht nur rum und schlafe denke, sondern trete zweimal am Tag auf, beschmuse meinen Martin (Sie wissen, der braucht das), pflege mein Fell und beschäftige mich mit meinen Damen. Dabei geht's mir richtig gut und ich genieße mein Leben. Eine gesunde Mischung von Schlaf- Denkpausen und körperlicher Betätigung hat was.


Zudem gab es in den letzten Tagen immer mächtig was zu gucken. Da war zum Beispiel Jana - die hatte letzte Woche einen Fototermin für ihren Sponsor HKM.

(c) Maresa Mader für HKM, Mai 2011
Dabei war ich allerdings etwas beleidigt. Ich finde nämlich, dass ich unterbewertet bin, wenn ich nur als "Hintergrund" für ein Foto von Hengst Ramzes benutzt werde. Und überhaupt ist das ein so eingebildetes Vieh! Steht der doch neulich vor mir und wiehert mir eines in die Richtung "Ich bin golden, ich bin toll!" Ja, was glaubt der denn? Golden zu sein ist bei uns Löwen ja fast schon ordinär (obwohl ich natürlich nicht abstreite, dass zum Beispiel Kiarah nicht nur golden, sondern sogar goldig ist. Und wenn Martin beim Abschiebern mal "versehens" die goldenen Damen Womba oder Tabora in mein Abteil verfrachten würde - also, ich würde die bestimmt nicht von der Liegebrettkante schubsen!). Wer bei uns was Besonderes sein will, muss schon weiß oder zumindest cremefarben sein. Aber das begreift der Ramzes nicht - der ist halt nur ein Pferd. Andererseits bin ich sicher, dass er gut schmecken würde. So nette Muskeln - hmmm! Doch diesbezüglich kann ich nur träumen - Jana guckt schon immer ganz strafend, wenn ich mir beim Anblick eines nettes Pferdes mal das Maul lecke. Also bin ich brav und hoffe darauf, dass sie mir bald mal wieder einen Rehrücken serviert.


Bis dahin aber könnten Sie mich mal besuchen, wenn Sie in der Nähe von Landau sind! Ich mag's nämlich, wenn viele Menschen um mich herum stehen und mich bewundern. Also, sehen wir uns ? Ganz bald mal wieder vor meinem Gehege?

Wenn das Wörtchen 'wenn' nicht wär' ...
King Tonga
[info]king_tonga
Tja, nun wissen wir also Bescheid. Nachdem mein armer Mensch und ich wochenlang in der Anspannung werdender Väter gelebt haben, nachdem wir jede Nacht mehrfach geguckt haben, was unsere cremefarbene Süße macht, ist jetzt leider klar: Wir werden uns mit dem Nachwuchs weiterhin gedulden müssen. Diamond sieht zwar immer noch schwanger aus, aber nachdem sie nun schon einige Zeit über den Termin ist, zu dem sie mir meine Erben hätte bescheren müssen, hat Martin ihren Urin und ihr Blut untersuchen lassen. Das Ergebnis ist leider eindeutig klar: Nix. Diamond ist nicht schwanger. Sie meinte nur, sie wäre es.

Um genau zu sein: Ms Diamond Tonga wünscht sich offensichtlich sehr, sehr, Kinder von mir zu bekommen. Nur hat's noch nicht geklappt und so hat das Mädchen das entwickelt, was unser Leib- und Tierarzt "pseudocyesis" nennt - landläufiger Ausdruck: Scheinschwangerschaft. Dabei sind alle Symptome einer Schwangerschaft vorhanden: Der Bauch wächst, die betroffene Dame fühlt sich schwanger (bei scheinschwangeren Menschenfrauen soll es sogar vorkommen, dass sie unter morgendlicher Übelkeit leiden)und manchmal schießt sogar die Milch ein. Nur Babies sind keine beteiligt und irgendwann geht die Scheinschwangerschaft dann auch wieder weg.

Martin und ich waren natürlich ziemlich frustriert, als wir das gehört haben. Wir hatten uns so auf meine weißen Babies gefreut! Aber nach einigen langen Gesprächen miteinander - in solchen Fällen ist es einfach gut, wenn man einen richtigen Freund hat - haben wir uns wieder eingekriegt und sehen optimistisch in die Zukunft. Diamond ist jung, gesund und will ja Kinder. Und ich bin jung, gesund und will auch Kinder, also kriegen wir das hin. Früher oder später. Und auf sowas tolles wie Tonga-Kinder lohnt es sich doch, zu warten, oder?

Männerfreundschaft
King Tonga
[info]king_tonga
Manche Menschen scheinen doch tatsächlich zu glauben, dass Tiere im Zoo zu ihrer Unterhaltung da seien. Meiner Ansicht nach beweist das eine sehr menschenbezogene Weltsicht. Aus der eines Löwen - nämlich meiner königlichen Tongaheit - ist es nämlich genau andersrum: Die Menschen, die den Zoo besuchen, dienen meiner Unterhaltung. Wie sie da vor dem Gehege stehen und meinen, mit Faxen meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können, was sie so erzählen - also, vor allem das dient immer wieder meiner Belustigung. Heute morgen allerdings fiel es mir schwer, dem Vater-Sohn-Gespann, das da vor mir stand, Aufmerksamkeit zu schenken. Ich war nämlich hundemüde, döste so vor mich hin und wurde erst richtig wach, als ich hörte, das die Beiden sich darüber unterhielten, wie beneidenswert wir Löwenmänner doch seien, weil wir mehr als ein Weibchen haben dürfen. Ich habe nichts dazu geröhrt - man ist ja Gentleman und da meine beiden Damen das Appartement neben mir bewohnen und ich sie nicht verletzen möchte ...

Aber hier sind wir unter uns und darum kann ich es ja verraten: Manchmal ist das mit der Polygamie mächtig anstrengend! Und davon kann ich speziell in den letzten Tagen ein Liedchen singen, hatte ich doch das Problem, dass meine beiden Damen nicht eben allerbester Laune waren. Bei Diamond kann ich es ja verstehen: Sie ist hochschwanger - aber seltsamerweise scheint sie zwei verschiedene Sorten von Babies zu bekommen: Ihre und meine. Ihre sind's, wenn sie zufrieden in der Sonne liegt, ihren Bauch leckt und sich freut. Dann schnurrt sie in den zärtlichsten Tönen, gluckst und nennt sie "meine Süßen". Hat sie aber Rückenschmerzen oder fühlt sie sich mal wieder von einem Baby in den Magen geboxt, beklagt sie sich bei mir darüber, dass meine Kinder sich schlecht benehmen, sie plagen und es doch elend unfair sei, dass Vaterwerden für mich das reine Vergnügen sei, während sie wochenlang mit dickem Bauch geschlagen sei, nicht mehr richtig springen könne, bei der kleinsten Anstrengung schon außer Atem komme und ihr das Essen nicht mehr richtig schmeckt (dafür, dass es ihr angeblich nicht mehr schmeckt, haut sie aber immer noch mächtig rein!).

Damit nicht genug, werde ich in den letzten Tagen auch noch von Princess angemeckert. Erst macht sie mich dauernd an, dann bekomme ich Dresche und wenn ich dann mal ein wenig müde werde, beklagt sie sich darüber, dass ich dauernd nur schlafe, ihr nicht genug Aufmerksamkeit schenke und überhaupt - ihre Mama hat ihr schon gesagt, dass Männer immer nur das eine wollen (stimmt. Ich will im Moment nur eines: Meine Ruhe und endlich mal wieder ausschlafen!).

Aber in einem bin ich doch ein glücklicher Löwe: Ich habe einen Martin! Dem ist nichts löwisches fremd und darum hat er den Frieden im königlichen Hause Tonga wieder hergestellt. Dem weisen, alten Satz folgend, dass man (in diesem Fall Princess und ich)sich manchmal so nahe kommt ,dass es etws Distanz braucht, damit man sich wieder näher kommen kann, hat er meine weiße Liebste wieder ihrer cremefarbenen Freundin in meinem Nachbargehege zugesellt. Nun habe ich mein Strohlager wieder für mich, kann mich nach den Anstrengungen der letzten Tage ausruhen und die Mädchen sind auch zufrieden, weil sie sich gegenseitig beistehen können. Außerdem muss ich jetzt Martin nicht mehr anfauchen, sondern kann wieder mit ihm schmusen - und weiß es zu schätzen, dass man mit ihm kuscheln kann ohne befürchten zu müssen, hinterher verhauen zu werden. Er bemitleidet mich sogar für die Kratzer, die Princess auf mir hinterlassen hat und er versteht natürlich, dass ein Mann, bei aller Liebe zu seinen Frauen, manchmal eben auch alleine sein muss und seine Männerfreundschaften pflegen muss. Ich denke, er wird auch ein sehr guter Ziehvater für meinen Nachwuchs. Zusammen werden wir die schon groß kriegen - und bis dahin vertreiben wir uns die Zeit damit, gemeinsam in der Manege zu glänzen. Das können wir nämlich richtig gut und dabei lassen wir uns auch nicht von Frauen stören.

In Ulm und um Ulm und um Ulm herum
King Tonga
[info]king_tonga
Ich habe heute meinen Menschen angefaucht und die Pranke gegen ihn erhoben. Und wenn er näher gekommen wäre ... also, ich weiß nicht, ob ich nicht ...


Aber Martin ist ein besonderer Mensch. Er ist so schlau, er könnte ein Löwe sein. Und darum kam er auch nicht näher, sondern lächelte mich an und sagte: "Schon gut, mein Junge. Ich verstehe dich ja." Tut er - und eigentlich war er ja auch nur deswegen so nahe an mein Schlafabteil herangetreten, weil er der Sekretärin demonstrieren wollte, dass ich gerade nicht in Schmuselaune bin. Oder besser gesagt: Ich bin sehr in Schmuselaune - nur nicht mit Martin.


Ein Löwe muss Prioritäten setzen. Und als königlicher Löwe hat man obendrauf noch Pflichten - noblesse obliges und in meinem Fall bedeutet das: Ich muss für Nachwuchs sorgen. Darüber, dass das gerade meine wichtigste und vordringlichste Aufgabe ist, sind Martin und ich uns vollkommen einig. Natürlich, meinen ersten diesbezüglichen Streich habe ich schon getätigt: Meine zauberhafte Diamond trägt meine(n)Erstgeborene(n)unter ihrem Herzen (und beschwert sich mehrfach am Tag darüber, dass der/die Racker auf ihre Blase drück(t)en und er/sie in den Magen box(t)en). Doch bei Frauen weiß man ja nie, was sie so im Kopf (und in der Gebärmutter) haben. Was, wenn sie nur ein Baby bekommt? Martin - und ja, als mein bester Freund und Futterversorger wird er natürlich in die Tonga'sche Familienplanung einbezogen - meint, Einzelkinder würden zu sehr verwöhnt (ich weiß üüüüberhaupt nicht, warum er dabei mich so seltsam anguckt!), weswegen es doch wirklich besser wäre, wenn ich mir gleich einen mittleren Löwenkindergarten mit mindestens zwei, drei kleinen Insassen anschaffe. Sprich: Ich bin momentan sehr intensiv damit beschäftigt, dem Fräulein Princess, wenn es denn möglich sein sollte, ebenfalls zu "gesegneten Umständen" zu verhelfen.

Das ist bei uns Löwen - wenn ich da mal ein wenig aus dem Intimnähkästchen plaudern darf - mit viel Leidenschaft verbunden. Unsere Damen sind stolz, wählerisch und wollen einen echten Kerl. Und der hat's auszuhalten, dass er danach - Löwenliebe ist nun mal für die Mädchen etwas schmerzhaft* - erst einmal von seiner Geliebten verdroschen wird (ich sagte es ja schon immer: Es hat Vorteile, eine Prachtsmähne wie die meine zu haben. Sie schützt nicht nur vor den Schlägen von Rivalen, sondern auch gegen die Bisse und Prankenhiebe der holden Weiblichkeit). Dafür aber sorgt er dafür, dass kein anderer Mann der Dame seines Herzens in dieser Zeit näher kommt. Und Martin ... also, Sie werden nicht abstreiten: Er ist ein Mann. Auch wenn seine Mähne zu wünschen übrig lässt, auch wenn er sich fast immer des aufrechten Ganges befleißigt, sein Fleisch vor dem Verzehr anbrät und manchmal sogar - igittigitt - Salat dazu isst, ist er ein Mann. Obendrauf kennt er da so ein paar Leute - angefangen von seinen vielen Tierarztbekanntschaften bis hin zur Sekretärin, zu deren vielfältigem Erfahrungsschatz (ja, ich hab's gehört, dass sie mal mit Martin darüber gesprochen hat)auch eine Ausbildung als Besamungstechnikerin gehört. Wer weiß, was die mit meiner Princess anstellen würden, wenn ich sie nicht verteidigen würde?

Verstehen Sie mich richtig: Es ist nicht so, dass ich meinem Menschen nicht vertrauen würde. Aber wenn's um meinen Nachwuchs geht, hat selbst meine Freundschaft zu ihm seine Grenzen. Er weiß das, er respektiert das und es wird unser Verhältnis zueinander garantiert nicht beeinträchtigen. Aber bis Princess trächtig ist, kuschle ich eben exklusiv mit ihr. Daher bitte ich jetzt auch um etwas Abstand - wir haben noch etwas vor. Und bitte stören Sie sich nicht am Geschrei hinterher! Das gehört bei uns Löwen einfach dazu.









* Anmerkung der Sekretärin zum Liebesleben der Löwen: Wie alle männlichen Katzen haben Löwen sogenannte "Penisstacheln" - kleine Widerhaken an der Eichel. Dahinter steckt eine kleine Besonderheit von Katzen, die ihre Sexualität erheblich von der menschlichen unterscheidet: Bei uns wandert das reife Ei aus dem Eileiter in die Gebärmutter und wird dort befruchtet. Bei Katzen hingegen findet die Befruchtung im Eileiter statt. Die Ovulation wird durch die Begattung ausgelöst und findet ungefähr 24 Stunden später statt.

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